Fallbeispiele, Positionierung

[Musiker-Positionierung] „Ich brauche frische Ohren“
11. April 2020

Michael, beschreib dich, dein Leben und deine Leidenschaft in 5 Sätzen.

Ich bin Musikkomponist, -produzent und Pianist und mache seit fast 40 Jahren Musik.
Seit ich denken kann hat alles in meinem Leben mit Musik zu tun.
Für mich ist Musik ein Ausdruck der Schönheit von Allem, was ist.
Ich versuche den Teil, den ich gerade davon fühlen kann, in meinen Kompositionen oder meinem Spiel zu beschreiben.
Wenn mir das gelingt, ist das für mich sehr erfüllend…es ist dann auch eine wahre Freude, das mit anderen zu teilen.

Was glaubst du, macht dich in deinem Tun einzigartig?

Ob das, was ich mache einzigartig ist, können gerne Andere entscheiden.
Was mich vielleicht ausmacht ist einmal meine sprudelnde Kreativität… die ist sehr ungeduldig, und will sofort ausgedrückt werden. Je länger ich über eine Idee nachdenke, um so schneller ist die „Verbindung“ zu diesem kreativen Feld auch wieder vorbei…für mich ist es dann wichtig, im Fluss zu bleiben und die Verbindung zu halten. Das ist so ähnlich wie beim Meditieren, fängst Du dabei an, nachzudenken, kommst Du aus der Tiefe.
Gelingt mir das nicht im Fluss zu bleiben, kommt eine neue Idee und will ausprobiert werden…
Am Ende so einer Phase habe ich dann bestenfalls eine fertig skizzierte Idee, oder ich habe eine Menge angefangener Stückchen…. Die dann wiederum Teil einer anderen Komposition werden können.

Für mein Schaffen sind Einfühlungsvermögen und Flexibilität eine große Hilfe, weil sie mir erlauben, mich auf jede Situation und Stimmung einzulassen; ob das für eine eigene musikalische Idee ist oder eine Auftragskomposition.

Mit Kunden tausche ich mich gerne länger über ihr Projekt aus, um zu erspüren, was genau sie wollen.
Da hilft mir meine emotionale Seite, um in deren Wünsche einzutauchen und die passenden gewünschten Stimmungen zu erfühlen.

Ich denke für mich ist auch von Vorteil, dass ich beide Seiten des Studiofensters kenne. Einerseits die Seite des Musikers, andererseits die des Produzenten. Beide haben ganz unterschiedliche Aufgaben. Als Musiker gibst Du bei jedem Take einfach dein Bestes und vertraust auf die Ohren des Produzenten, der dann beurteilt, ob das von Dir Gelieferte gut in das Gesamtkonzept passt. Wenn es gefragt ist, lässt Du Deiner Kreativität einfach freien Lauf und die Verantwortung liegt beim Produzenten.

Als Produzent hast Du die Aufgabe, das Bestmögliche mit dem Musiker zusammen zu erarbeiten. Dafür braucht es viel Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis, um den Musiker zu seiner besten Leistung zu führen.

Wie hast du angefangen das zu realisieren was du heute machst?

Ich habe viel ausprobiert. Letztendlich bin ich ein Produkt meiner Erfahrungen.

Wir hatten ein Klavier zu Hause. Manchmal hat meine Mutter darauf gespielt. Ich liebte den Klang und wie die Töne den Raum erfüllten, wenn sie spielte… das wollte ich auch können. Also bekam ich mit 8 Jahren Klavierunterricht.
Ich war nicht der fleißigste Schüler, aber der Unterricht fiel mir auch nicht schwer. Mit 13 Jahren dann spielte ich in meiner ersten Band. Die waren alle 2-3 Jahre älter als ich. Mein erstes Konzert mit der Band war eine Katastrophe. Es waren viele Bekannte da, ich war überhaupt nicht aufgeregt und habe den Auftritt etwas locker gesehen. Ich hatte eine Menge Spass dabei… als wir dann allerdings alle zusammen den Live-Mitschnitt hörten, offenbarte sich meine Lockerheit als „ungenaues Geklimper“… daraufhin bekam ich von der Band „Bewährung“ und durfte noch weiter mitspielen, unter der Bedingung, mich mehr zu fokussieren und zu üben. Das waren 2 gute Lehren für mich: Erstens, immer den Fokus behalten und zweitens, wie wichtig die Rolle von jedem einzelnen in einer Gruppe ist. Spielt einer schlecht, wirkt sich das auf den Sound der ganzen Band aus. Das war der Band auch klar, daher kam die „Bewährungsauflage“. Auch hier ist es so, dass Du als Gemeinschaft immer nur so gut bist, wie das schwächste Glied in der Kette… Seit dem bin ich immer aufgeregt vor Auftritten, eine gesunde Grundnervosität, die mir hilft, mich zu fokussieren und mehr im Moment zu sein.
Mit 17 Jahren entschied ich mich, Musik zu studieren … So landete ich in Paderborn, wo ich mangels Alternative Musik auf Lehramt studierte. Hier lernte ich viele Musiker kennen und spielte schon bald in vielen Bands. Dabei machten wir auch Studioaufnahmen, und ich entdeckte für mich die Arbeit als Produzent. Als ich mit einer Band mein erstes Album einspielte, saß ich schnell mit dem Produzenten zusammen im Studio und produzierte fleißig mit. Die vielen kreativen Möglichkeiten, die auch durch den vermehrten Einsatz von Computern möglich wurde, fand ich großartig und eröffneten mir neue Klangwelten. Es dauerte nicht lange, und ich bekam die ersten kleinen Jobs für Auftragskompositionen, welche ich neben Studium und Konzerten erledigte. Über 15 Jahre arbeitete ich dann in dem Studio und probierte alles aus. Ich produzierte Bands unterschiedlichster Genres, schrieb mit ihnen Songs und komponierte Tracks für unterschiedlichste Werbung. Trotzdem war es finanziell nicht immer einfach. Parallel dazu unterrichtete ich an Musikschulen Klavier und Keyboard, um eine finanzielle Grundsicherung zu haben. Das Studium brach ich ab, da mir klar war, dass ich kein Lehrer der Sekundarstufe werden wollte.
Zwischendurch arbeitete ich ein paar Jahre als freier Mitarbeiter beim WDR in Köln im Studio für Klangdesign. Das gab mir einen guten finanziellen Background und vor allem weitere Möglichkeiten, mich an Klangkonzepten im Radio- und Fernsehbereich auszuprobieren.
Ich war sogar zwischendurch mal Dozent für Arrangement am Computer und Studiotechnik an der Uni, was auch eine sehr interessante Erfahrung war, einerseits mich selbst als Dozent zu entdecken, andererseits mit Studenten zu arbeiten.

Welche Paralellen siehst du zwischen dem Unternehmer- oder Selbständigen-Dasein zur Musik bzw. deinem Beruf als Musiker?

Oh viele.

Es soll ja immer noch Menschen geben, die denken, der Musiker steht erst um 10 Uhr auf, geht dann frühstücken, hat einen chilligen Tag mit seinen Groupies, hängt im Proberaum ab und spielt abends ein bisschen, um danach Party bis spät in die Nacht zu machen. Und das tagein tagaus. Das ist eine wunderbare Utopie. Klar, das gibt es hin und wieder mal, aber bist Du so einen Lebensstil pflegen kannst ist es auch ein hartes Stück Arbeit.
Ein Musiker ist meist auch immer ein Selbstständiger oder Unternehmer. Die wenigsten sind in einer Festanstellung wie z. B. in Orchestern oder Musikschulen, Universitäten oder Studios. Und auch die haben meist noch weitere Projekte, die sie neben ihrem festen Job betreiben, um z.B. Ihre eigenen Ideen oder Bands voranzubringen.
Die erste Parallele ist: Du brennst für eine Sache. Das bedeutet für die meisten Musiker Beginn ihrer Laufbahn erst einmal üben, üben, üben. Das erfordert eine Menge Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Den Erfolg des Übens siehst Du nicht sofort, sondern erst mit der Zeit. So wie bei dem Aufbau eines Unternehmens. Die Frage ist, welche Motivation hast Du? Warum übst Du? Ist es, weil Du das Instrument oder Deine Stimme gut beherrschen möchtest, oder wegen des Erfolges, den Du nachher mit Deinem Spiel auf der Bühne erleben willst? Das primäre Ziel sollte der Spaß am Spiel und der Entwicklung Deiner Fähigkeiten sein. Du wirst ein Unternehmen auch nicht wegen der sofort zu erwartenden Milliardenumsätze gründen, sondern weil Du für Deine Sache brennst und bereit bist, sehr viel Zeit dafür zu investieren, um dann damit auch finanziell erfolgreich zu werden.
Eine weitere Parallele ist die Selbsteinschätzung.
Was kann ich? Was kann ich nicht? Was sind meine Potentiale und Qualitäten? Ein guter Unternehmer weiß, welche Disziplinen er selbst gut beherrscht und welche er delegieren sollte. Er ist sich darüber im Klaren, dass es Menschen gibt, die die Bereiche, in denen er selbst Schwächen hat, viel besser können als er. So funktioniert das auch in einer gut aufgestellten Band. Jeder Musiker hat neben seinen musikalischen Fähigkeiten weitere Qualitäten, die er kennen und mit einbringen sollte. Ein paar schreiben die Songs, einer kümmert sich um die Aufnahmen im Proberaum, einer um das Booking, einer um die Koordination z. B. mit dem Management oder der Plattenfirma und einer kann am Besten für gute Laune sorgen. Um Kompetenzgerangel zu vermeiden, sollte jeder auch nur das tun, was er am Besten kann. Damit ist allen am meisten geholfen. Auch musikalisch: Es gibt nichts Schlimmeres als einen selbst überschätzenden Solisten in der Band. Er findet sich und sein Spiel fantastisch, aber der Applaus des Publikums bleibt aus..
Ein interessanter Aspekt der Zusammenarbeit und somit auch ein schönes Bild für Teamarbeit ist das freie, improvisatorische Spiel. Wenn nicht alle Abläufe eines Stückes abgesprochen sind und alle frei spielen, ist es sehr wichtig, sich selbst und sein Spiel zu kennen, sich zurücknehmen zu können, den Mitspielern musikalische Themen anzubieten und somit der eigenen Intuition zu folgen, den anderen zuzuhören, was sie spielen, um darauf einzugehen und somit den Fluss des Songs im „Ohr“ zu behalten. Das Ergebnis der Improvisation ist das Ergebnis der spontanen Zusammenarbeit, je besser alle Musiker aufeinander eingehen und im Flow sind, um so harmonischer wird der Hörgenuss. In einem Unternehmen wird ein Produkt auch nur dann richtig gut, wenn die Qualitäten und Fähigkeiten der Mitarbeiter effizient eingesetzt werden.
Ein durchaus sehr ähnlicher Punkt wie die Selbsteinschätzung ist die Einschätzung Deiner Mitspieler. Da ist Menschenkenntnis gefragt. Wie in jedem Team ist es hilfreich zu wissen, wie die anderen spielen, was ihre Stärken und Schwächen sind. So würde ich als Bandleader in einer Improvisation niemals jemanden ein Solo geben, wenn ich weiß, dass er nicht gerne soliert. Oder als Produzent einen Bassisten einladen, wenn ich ein Gitarrensolo aufnehmen möchte. Genau so, wie der Abteilungsleiter ein Gespür dafür braucht, welcher Mitarbeiter für welchen Bereich am Besten geeignet ist.
Letztendlich brauchen beide, der Musiker wie der Unternehmer, den gleichen Unternehmergeist. Du musst für Deine Sache brennen, sonst fehlt Dir die Motivation, und irgendwann geht Dir die Puste aus. Außerdem musst Du als Musiker oder Musikkreativer dasselbe Handwerk eines Selbständigen erlernen: Wie organisiere ich mich selbst? Wie koordiniere ich Bandproben? Oder im Unterrichtsbereich: Wie koordiniere ich die Termine meiner Schüler? Oder im Rechnungswesen: Wie rechne ich ab? Wie funktioniert die Buchhaltung und Buchführung? Du musst Dich genau so mit Themen wie Steuern, Finanzamt, Steuervergünstigungen auseinandersetzen wie jeder andere Selbständige auch. Dazu kommen noch branchenspezifische Themen Künstlersozialkasse, Gema, GVL usw., die der Künstler sich auch selbst erarbeiten muss.

Was denkst du konkret, kann ein angehender Unternehmer von dir und der Musik lernen?

Ich kann ein Beispiel für die Hingabe zu meiner Arbeit sein. Ich liebe es, Musik, zu machen, in den Flow zu kommen und es mit anderen zu teilen.

Ich brenne dafür und würde jedem raten, nur das zu tun, was sie auch wirklich lieben.
Ein angehender Unternehmer könnte bei mir lernen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren, denn das muss ich immer wieder: Einschätzen, ob der nächste musikalische Gedanke in das Gesamtkonzept passt… ich muss mich auch oft von liebgewonnenen Ideen verabschieden, um auf eine Idee zu warten, die besser ins klangliche Bild passt.
Ich kann ihm zeigen, wie ich mit Künstlern umgehe. Wie ich mich auf die Eigenarten, Gewohnheiten und Fähigkeiten von Künstlern einstelle und ihnen ein gutes Gefühl vermittle, ihnen mit meiner Erfahrung durch die Produktion helfe, um damit das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Er könnte bei mir sehen, wie ich während eines Produktionsprozesses oder einer Komposition meiner Intuition folge. Er könnte sehen, wie ich auch mal den Mut aufbringen muss, Ideen, die gerade gut erscheinen, doch zu verwerfen, weil mir mein Bauchgefühl sagt, dass der musikalische Gedanke doch nicht passt.
Und was ich ihm vermitteln würde ist: Durchhalten. Auch durch schwierige Jahre durchzugehen und nicht in Selbstzweifel zu versinken, wenn es mal nicht läuft.
Ich hatte Zeiten, da liefen keine Projekte, kaum Jobs, nur der Unterricht, von dem ich mich nicht wirklich über Wasser halten konnte.

Wenn du dir dein Leben als Unternehmer im Bereich Musik in 5 Jahren vorstellst, wie sieht das aus?

Momentan arbeite ich unter anderem an meinem eigenen Piano-Soloprojekt. Ich komme zurück zu meinen Wurzeln. Ich habe mit Klavierspielen mein musikalisches Leben begonnen und lasse das wieder aufleben. Ich möchte in den nächsten Jahren meine Liebe zur Musik durch das Klavierspiel ausdrücken und mit möglichst vielen Menschen teilen. Ich hab gerade meine erste Single „Vergeben veröffentlicht und werde dieses Jahr nach und nach weitere Songs und ein Album rausbringen. Wie das mit Livespielen aussieht, ist aufgrund der Corona-Situation schwer zu sagen, aber eine Tour möchte ich auch gerne machen.

Dadurch wird sich die Gewichtung meiner Aufgabenfelder mehr zugunsten Livespiel und weniger Studioarbeit drehen. Ich sehe mich in 5 Jahren also mehr auf der Bühne als im Studio, so wie es jetzt der Fall ist.

Beschreib uns mal die wesentlichen Fähigkeiten und Merkmale eines aus deiner Sicht guten Musikers.

Er sollte natürlich sein Instrument beherrschen. Er muss kein Virtuose sein, aber mit Herz spielen. Wenn Du das liebevoll und mit Hingabe tust, überträgt sich das auf die Zuhörer.

Ein guter Musiker sollte gut zuhören können. Zuhören, was andere sagen und Zuhören, was andere spielen. Er sollte die Fähigkeit haben, mit-zu-spielen und sich nicht mit seiner Virtuosität beweisen zu wollen.
Ein wichtiges Merkmal ist auch die Kontaktfreudigkeit. Einerseits zu den Fans, aber auch andererseits zu Mitmusikern und allen, die im Musikbereich tätig sind. Wo holst Du Dir kreativen Input? Natürlich auch von anderen Künstlern. Das Gespräch mit Leuten aus der Musikindustrie ist ach oft sehr hilfreich. Gerade hier ist Kontakte knüpfen das a und o.
Mir hat mal jemand gesagt: „Spiele mehr über den Tasten“. Das heißt so viel wie, spiele weniger, spiele die anderen nicht platt. Meiner Meinung nach sind die besten Musikwerke die, die die besten Pausen haben, also die passende Stille zur passenden Zeit.
Er sollte flexibel sein, aber trotzdem seine eigene Note und seinen musikalischen Charakter behalten.
Gut ist es, wenn er offen ist für Neues, auch mal Stilistiken spielt, die außerhalb seiner Komfortzone liegen. Er sollte sich also auch Weiterentwickeln wollen.
Und klar von Vorteil ist es, wenn er sich selbst gut vermarktet und z. B. Social Media gut nutzt, um sich selbst zu promoten.
Und vor allem sollten wir uns alle nicht zu ernst nehmen, denn der Spaß steht ja beim Musik machen im Vordergrund. Auch ich kann über meine Eigenarten und meine Verspieler lachen…

Sind Musiker gute Marketingleute?

Ich denke ja.

Wenn Du eine Band oder ein Solokünstler bist, hast Du heute auch so gut wie keine andere Wahl mehr, als ein gutes Eigenmarketing zu machen, wenn Du Bekanntheit erlangen willst. Früher fand für die meisten kleinen Bands das Marketing auf der Bühne statt. Da hieß es spielen, spielen, spielen, um neue Fans zu erreichen. Eine schon erfolgreiche Band mit einer Promoagentur oder einer gut arbeitenden Plattenfirma hatte den Vorteil, dass die das meiste Marketing in Form von Radio-, Print- und TV-Promotion übernahmen. Da kamst Du als No Name Band schwer ran, und wenn, dann war es vor allem teuer.
Durch die Digitalisierung findet ein Großteil der Werbung für Bands und Musiker online statt. Über Social Media ist ein schneller, direkter und intensiver Kontakt zu Fans möglich. Sich eine Fanbase aufzubauen ist heute wesentlich leichter, da der Aufbau nicht mehr nur durch Live-Konzerte stattfindet. Heute machst Du selbst Videos, Proberaumaufnahmen, Storys von Konzerten, Fotos aus dem Tourbus, Tourtagebuch usw. und postest sie. Außerdem kannst Du den kompletten Verkauf von Tonträgern und die Einnahmen der Streamingportale durch Online-Vertriebe selbst realisieren und brauchst dafür keine Plattenfirma mehr wie früher. Um so wichtiger ist hier zum Fanbase-Aufbau eine klare Positionierung. Wer bist Du als Band? Was sind Deine Aussagen? Was ist Dein genaues Genre? Wofür stehst Du? Wie definierst Du Deine Zielgruppe?

Ein Song ist wie ein Produkt. Wie gehst du vor beim Komponieren? Welche Schritte gibt es da in welcher Reihenfolge?

Es kommt darauf an, um was für eine Produktion es sich handelt. Wenn es bei dem Song um ein bestimmtes Thema gehen soll, versetze ich mich in die richtige Stimmung. Ich imaginiere mir dazu passende Situationen, die stimmig mit dem Thema sind. Dann lasse ich die Ideen fließen. Ich setze mich an die Tasten, fange an zu spielen und bewerte das Gespielte nicht. Das ist wichtig, denn durch das ständige „Sich-selbst-überwachen“, was wir sonst gerne machen, schränke ich meine Kreativität ein. Die Überprüfung mache ich später.

Wenn ich dann in einem guten Flow bin, ergibt eins das andere. Soll das Stück Gesang haben, singe ich Fantasieworte, was mir gerade in den Sinn kommt. So gestalte ich erst mal die Form des Songs wie Strophe, Refrain und Bridge. Diesen Prozess mache ich erstmal nur mit Klavier, oder manchmal auch mit Gitarre.
Wenn die Form steht, gehe ich an den Text.
Die Produktion des Sound-Gewandes folgt erst danach. Dazu stelle ich mir Fragen: Wie soll der Song klingen? Was sind die Hauptsounds? Soll ein bestimmtes Genre genau bedient werden? Soll er eher puristisch oder groß sein? Nach den Antworten wähle ich die weiteren Sounds und arrangiere den Song. Die meisten Instrumente spiele ich erst mal mit Sounds aus dem Computer ein, um zu schauen, ob das Bild, dass ich mir im Kopf vorstelle, so passt.
Sollte das der Fall sein, fange ich an zu Recorden. Da werden alle Instrumente, die „echt“ eingespielt werden können, aufgenommen und sämtliche Gesangsspuren recorded.
Dann wird das Ganze editiert, also die besten aufgenommenen Spuren ausgewählt und gesäubert, z. B. werden bei Vocalaufnahmen Schmatzer oder unpassende Atemgeräusche entfernt.
Dann lasse ich das Ganze, wenn es der Zeitplan zulässt, wie einen guten Wein liegen und vergesse den Song. Das ist für mich wichtig, denn im nächsten Schritt brauche ich frische Ohren.
Hier werden jetzt alle Spuren zusammengemischt und ins richtige Verhältnis gesetzt. Einmal in der Lautstärke, im Raum (ob ein Instrument eher hinten/vorne oder rechts/mittig oder links zu hören ist) und im Klangbild, d. h. ob z. B. der Gesang eher scharf und schneidend oder lieber weich und rund klingen soll.

Danach wird gemastert, also die Lautheit und das Gesamtklangbild des Songs veredelt. Dieser Schritt macht vor allem bei einer Albumproduktion Sinn, wenn Du die Trackreihenfolge kennst und die Songs dementsprechend soundlich anpasst.

Diese Vorgehensweise ist für mich keine Regel. Es kann auch sein, dass mich ein Synthiesound oder ein großer Streichersound inspiriert und daraus ein Song entsteht. Gerade schreibe ich z. B. meine Klavierstücke. Da lass ich den „Kritiker im Kopf“ komplett zu Hause und frag ihn erst, wenn das Stück fertig ist.

Ich lasse mich also einfach auch mal „treiben“.

Warum denkst du ist der Beruf des Musikers oder Komponisten so genial?

Musik ist eine Sprache ohne Worte. Sich mit dieser Sprache mitzuteilen und andere zu berühren und ihnen eine Freude zu bereiten ist das Schönste für mich.

Und Klavierspielen ist für mich wie eine Meditation, ein meditativer Zustand, ein Auseinandersetzen mit sich selbst und ein im Fluss sein. Das bringt mich ins Jetzt.
Ich bin sehr dankbar, dass ich damit auch mein Geld verdienen darf.

Hast du eine Frage an mich? Wie kann ich dir evtl. helfen bzw. wobei?

Das Thema Positionierung ist für das Marketing extrem wichtig. Ich denke, dass für jeden Musiker der Blick von außen auf sich selbst und seinen kreativen Output immer eine Bereicherung ist. Gerade wir Künstler, die wir so viel selber machen, sehen bestimmt den einen oder anderen „blinden Fleck“ in unserer Arbeit nicht.

Daher würde ich Dich immer Fragen, wie Du mich von außen siehst und wie ich mich besser positionieren kann.

Danke für das tolle Gespräch Michael. Great times ahead! 😉

www.michael-koch.de