Branding Leaders, Klarheit, Markenaufbau, Personal Branding

Warum Marke wichtiger ist als Marketing

von Jens Schlangenotto

…und warum KI dir dabei helfen kann – aber nicht retten wird).

Der Expertenmarkt wird 2026 nicht lauter, sondern austauschbarer. Wer gewinnt, hat keine größere Content-Maschine – sondern die eindeutig klarste Identität. Marke schlägt eben Marketing. Und Beziehung schlägt Reichweite. Und… Persönlichkeit schlägt nach wie vor KI-Effizienz.

Stell dir vor, du scrollst durch LinkedIn. Zehn Posts. Zehn verschiedene Trainer, Coaches und Speaker oder Experten. Aber du kannst sie nicht auseinanderhalten. Immer die gleichen Versprechen. Die gleiche Formate. Gleiche ‚3 Tipps‘-Karussell-Posts. Und jetzt kommt noch die KI dazu, die diese Gleichförmigkeit auf Knopfdruck dramatisch multipliziert.

Das ist die Realität 2026: Menschen sehen mehr denn je – aber fühlen gleichzeitig auch weniger denn je.

Der McKinsey-Report State of Marketing Europe 2026 zeigt: Marketing-Leader gehen zurück zu den Basics – und kombinieren sie mit modernen Tools. Aber das Spannendste ist nicht, welches Tool sie nutzen, sondern worauf sie wieder Wert legen:

  • Vertrauen
  • Marke
  • Authentizität
  • Wirksamkeit (ROI, Klarheit, Fokus)
  • und dann erst: KI

Wenn du diese Perspektive auf den Expertenmarkt übersetzt, wird es sehr konkret.

Der Markt ist nicht zu laut – er ist zu austauschbar

Das Problem 2026 ist nicht, dass es zu viele Angebote gibt. Das Problem ist: zu viele wirken einfach gleich. Und langweilig.

Und jetzt kommt auf einmal noch KI dazu, die diese Austauschbarkeit beschleunigt. Das Ergebnis: Menschen konsumieren Content in Massen – aber erinnern sich an fast nichts.

Und genau hier gewinnt nicht der mit der größten Content-Keule, sondern der mit der klarsten Identität.

1. Marke ist kein Design – Marke ist Orientierung

Im McKinsey-Report ist Branding das wichtigste Thema (#1). Nicht aus Nostalgie weil es schon immer so war, sondern weil in turbulenten Zeiten starke Marken eine Funktion erfüllen: Sie geben Sicherheit.

Und jetzt übersetzen wir das in deine oder besser gesagt „unsere“ Welt:

Eine Personenmarke ist kein hübsches Logo und kein schickes Branding-Shooting. Eine Marke ist das, was passiert, wenn jemand an dich denkt – und sofort weiß:

  • wofür du stehst
  • wofür du nicht stehst
  • was man von dir erwarten kann
  • warum du anders bist

Marke ist Orientierung im Kopf deiner Zielgruppe. Und du kannst das steuern was sie denken und fühlen.

Wenn du das nicht aktiv tust, wirst du zu ‚einer Option unter vielen‘. Und dann wird Marketing schnell zu einem Dauerlauf, der sich wie Treibsand anfühlt.

Mein Praxis-Impuls für dich: Wenn du deine Marke in einem Satz erklären müsstest – ohne Branchenwörter wie ‚Coaching‘, ‚Mentoring‘, ‚Training‘ – was würdest du heute jemandem sagen?

2. Authentizität ist kein Gefühl – Authentizität ist SOWAS WIE Beweisführung

Authentizität gehört im Report zu den Top-Prioritäten (#4). Es geht um Transparenz, Konsistenz und echte Werte – nicht um ‚ich bin halt so‘.

Viele verwechseln Authentizität mit Offenheit oder ‚ich erzähl mehr aus meinem Leben‘. Das kann funktionieren – muss es aber nicht.

Im Kern bedeutet Authentizität: Deine Kommunikation passt zu deiner Identität. Und deine Identität passt zu deinem Verhalten.

Authentizität ist also nicht der Post. Authentizität ist die Übereinstimmung zwischen Identität und deinem Verhalten.

Für Expertenmarken ist das Gold wert, weil Menschen bei Dienstleistungen immer eine Frage im Hinterkopf haben: ‚Kann ich dem vertrauen?‘

Und Vertrauen entsteht definitiv nicht durch Lautstärke, sondern durch Stimmigkeit. Das verwechseln leider sehr viele Anbieter derzeit.

Mein Praxis-Impuls für dich: Nenn mir drei Dinge, für die du stehst – und drei Dinge, die du konsequent ablehnst. Wenn du ‚für alles offen‘ bist, bist du nicht offen – du bist unklar.

3. Warum Reichweite ohne Bindung nicht funktioniert

Ein zentrales Motiv im Report: Marketing verändert sich vom Senden zum Dialog. ‚Interactive branding‘ – also Markenführung als Zwei-Wege-Kommunikation.

Das ist genau das, was viele Personal Brands noch unterschätzen. Sie denken: Wenn ich sichtbarer werde, kommt der Rest.

Aber Sichtbarkeit ohne Bindung ist wie ein Händedruck mit Handschuhen: Es gibt einen vermeintlich echten Kontakt – doch leider keine echte Verbindung.

Interaktive Markenformate, die im Report deutlich wachsen:

  • Live-Formate (Events, Webinare, Roundtables)
  • Conversational Marketing (echte 1:1-Dialoge)
  • Community & User Generated Content
  • Behind-the-scenes (Einblicke in die Entstehung)
  • Challenge-Formate (Gamification für Personal Brands)

Was heißt das für dich? Du musst nicht ‚mehr Content‘ machen. Du musst Content bauen, der Antworten auslöst. Der dir Dialog bringt.

Antworten = Beziehung. Beziehung = Vertrauen. Vertrauen = Business. So geht der Weg.

Mein Praxis-Impuls: Mach aus deinem nächsten Post keine Aussage – mach eine Einladung: ‚Was ist deine Erfahrung damit?‘ / ‚Woran scheiterst du konkret?‘ / ‚Welche Seite davon kennst du?‘

4. Vom Content-Marathon zum System: Warum Full-Funnel kein Konzern-Ding ist

Der Report beschreibt den Shift: weg von isolierten Kampagnen, hin zu Full-Funnel-Programmen, die Marke, Performance und Sales zusammenbringen.

Und jetzt kommt der Punkt, der für Trainer/Coaches/Experten richtig weh tut (und gleichzeitig befreiend ist):

Viele fahren Einmal-Aktionen. Ein Webinar. Einen oder mehrere Launches. Ein Reel-Marathon. Ein Gratis-Workshop. Dann wieder Funkstille. Dann wieder Druck. Dann wieder ‚Ich müsste mal…‘.

Full-Funnel heißt für dich nicht ‚großer Konzernplan‘. Full-Funnel heißt:

  • du baust Marke (Orientierung)
  • du baust Beziehung (Vertrauen)
  • du machst Angebote sichtbar (Entscheidung)
  • du führst Menschen weiter (Erlebnis & Bindung)

Das ist kein Trick. Das ist ein System.

Mein Praxis-Impuls: Schau auf die letzten 30 Tage Content – wie viel davon baut Marke? Wie viel davon baut Beziehung? Wie viel davon macht Angebote klar? Wenn 90% nur ‚Wissen‘ ist, wirst du zwar bewundert – aber nicht gebucht.

5. KI ist Verstärker – aber keine Persönlichkeit

Im Report steht ein interessanter Widerspruch: AI wird insgesamt eher weit hinten priorisiert – aber die wenigen, die gut darin sind, erzielen über 20% Effizienzgewinne.

Heißt: KI ist ein Hebel. Aber viele nutzen ihn noch nicht konsequent genug.

Wichtig ist dabei die richtige Rolle von KI.

KI ist gut für:

  • Struktur und Varianten
  • Schnelle Entwürfe
  • Re-Use/Content recycling (aus Newsletter → Post → Skript → Reel)
  • Recherche/Ideenfindung
  • Content-Produktion en masse

KI ist schlecht für:

  • Haltung und Mut
  • Tonalität mit Seele
  • Echte Erfahrungen
  • Glaubwürdigkeit

Oder anders: KI kann dir helfen, schneller zu sprechen. Aber sie kann dir nicht sagen, wofür du stehst.

Und wenn du KI nutzt, um ‚wie alle‘ zu klingen, hast du leider verloren: Du bist effizient, jedoch maximal austauschbar.

Mein Praxis-Impuls: Nutze KI für die Mechanik – und bewahre das Menschliche für das, was wirkt: Perspektive, Story, klare Meinung, Sprache, die nach dir klingt.

6. Kreativität & Andersartigkeit werden wieder wichtiger

Der Report zeigt auch: Kreativität und Einzigartigkeit werden als Investitionsfeld besonders wichtig, um dich zu differenzieren.

Und das ist für den Expertenmarkt die vielleicht beste Nachricht überhaupt.

Weil Kreativität bei Personal Brands nicht heißt: ‚Ich muss jetzt lustig tanzen‘. Kreativität heißt: anders denken, anders zeigen, anders führen.

Andersartigkeit ist nicht Deko. Andersartigkeit ist Strategie!

Mein Praxis-Impuls für dich: Was ist dein ‚Signature Move‘? Ein Denkmodell, ein Begriff, eine Methode, ein Ritual, ein Stil, ein Setting, eine Sprache. Etwas, das man nur mit dir verbindet.

DAS Fazit FÜR HEUTE: Die Zukunft gehört den Klaren – nicht den Lauten

Wenn ich die Kernlogik aus dem Report für deine Zielgruppe zusammenfasse, lautet sie:

  • Menschen wollen Sicherheit → starke Marken können sie vermitteln
  • Menschen wollen Echtheit → Authentizität schlägt Inszenierung. Immer.
  • Menschen wollen Verbindung → Dialog schlägt Dauerbeschallung
  • Unternehmen wollen Wirksamkeit → Systeme und Kampagnen schlagen Einzelaktionen
  • KI wird ein Hebel → aber Persönlichkeit bleibt der Kern

Und die wichtigste Frage für 2026 ist nicht: ‚Wie bekomme ich mehr Reichweite?‘

Sondern:

‚Wofür stehe ich so klar, dass Menschen mir vertrauen – selbst wenn der Markt laut ist?‘

Wenn du diese Frage beantworten kannst, wird Marketing plötzlich wieder leicht. Weil du nicht mehr ‚Content produzierst‘. Sondern eben Wirkung.

Welcher der sechs Punkte trifft dich am meisten? Lass es mich gerne wissen – ich freue mich auf den Austausch. Schreib mir einfach und ich freue mich auf einen Zoomcall mit dir. Das Thema kickt mich.

Quelle: McKinsey: State of Marketing Europe 2026


Und hier noch eine Hörempfehlung aus dem MARKENAUFBAU Podcast zum Abschluss des Artikels. Viel Freude beim Anhören.

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