In den letzten Monaten habe ich einige Gespräche mit erfahrenen Experten geführt, bei denen auf dem Papier alles stimmt. Die Sichtbarkeit ist da. Auch Kunden sind da. Und Anfragen kommen auch rein. Es ging darum, dass Personenmarken derzeit stagnieren.
Und trotzdem beschreiben viele ihre aktuelle Situation mit Worten wie „zäh“, „anstrengend “ oder „schwerfällig“ das Business läuft. Gefühlt drehen sie sich eher im Kreis als das sie sich nach vorne bewegen.
Sowas nervt natürlich auf Dauer.
Was in solchen Phasen häufig passiert ist Folgendes: Wir drehen an den falschen Stellschrauben. Es werden neue Contentformate ausprobiert, neue Leadmagnete gebaut, neue Tools integriert oder bestehende Funnels optimiert. Operativ ergibt das alles Sinn. Strategisch jedoch bleibt die Wirkung oft überschaubar.
Denn das eigentliche Thema liegt meistens eine Ebene darunter.
Passt das, was du heute anbietest, überhaupt noch zu dem, was du heute kannst? Oder arbeitest du noch mit einer Positionierung, die zu einer früheren Version von dir gehört? Das ist die Frage der Fragen, die du dir zunächst mal stellen darfst.
Viele Personenmarken basieren auf einer Identität, die sich längst weiterentwickelt hat. Du hast in den letzten Jahren mit Kunden gearbeitet, neue Erfahrungen gesammelt, dein Blick auf Märkte weiterentwickelt. Der Blick auf Menschen und Probleme hat sich geschärft. Dein Anspruch ist gewachsen. Und deine Kompetenz ebenso. Dein Angebot jedoch kommuniziert möglicherweise noch dein „Ich von vor drei Jahren“.
Und so entsteht eine Lücke zwischen dem, was du leisten könntest – und dem, was du kommunizierst. Und hinzu kommt: Du wirst gebucht für das, worin du gut bist. Also machst du mehr davon. Wirst noch besser darin. Und wirst genau dafür wieder gebucht. Ein Kreislauf, der wirtschaftlich stabil ist, inhaltlich jedoch schnell zu einer Art „Kompetenz-Gefängnis“ werden kann. Deine Positionierung war also von Beginn an vielleicht etwas zu eng gebaut.
Du bewegst dich dann fast ausschließlich innerhalb dessen, was bereits marktfähig ist – und verlierst den Anschluss an das, was als Nächstes möglich wäre.
In Einzelgesprächen oder im Sparring entstehen in solchen Situationen häufig neue Ideen. Andere Angebotsformate. Neue Zielgruppen. Frische Narrative. Vielleicht auch ein anderer Zugang zu deiner bestehenden Expertise.
Und genau hier wird es spannend.
Denn viele dieser Ideen bleiben am Ende im Notizbuch. Weil Umsetzung gleichzeitig bedeutet, ein gewisses Risiko einzugehen. Weil bestehende Kunden irritiert sein könnten. Weil neue Wege am Anfang weniger planbar sind.
Und weil da noch eine andere Frage im Raum steht:
Passt das überhaupt zu meiner Marke?
Viele bleiben auf einem bestimmten Spielfeld stehen, weil ihre Community sie genau dort erwartet und kennt. Der eigene Markenauftritt ist längst zur Komfortzone geworden und Komfortzonen sind selten Orte, an denen Innovation entsteht. Dabei wird Konsistenz oft mit Stillstand verwechselt.
Ja, Marken brauchen Klarheit und Wiedererkennbarkeit. Sie brauchen eine klare Haltung, ein klares Profil und eine nachvollziehbare Botschaft. Was sie jedoch ebenso brauchen, ist Weiterentwicklung innerhalb ihrer eigenen (Marken-)Logik.
Gerade wenn du aus deiner Identität heraus wirken willst, gehört die regelmäßige Reflexion dieser Identität dazu. Markenentwicklung aus einer klaren Identität heraus bedeutet auch, bereit zu sein, diese Identität zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Weiterentwicklung heißt nicht, alles infrage zu stellen.
Es heißt, regelmäßig zu prüfen, ob dein Angebot noch zu deiner aktuellen Perspektive passt. Ob deine Positionierung deinem heutigen Anspruch gerecht wird. Und ob du bereit bist, dort neue Wege einzuschlagen, wo sich Potenziale zeigen.
Auch dann, wenn diese Wege am Anfang ungewohnt wirken.
Denk mal darüber nach…
Und wenn du noch eine Podcast-Episode über Personenmarken hören willst und was diese in der Regel richtig machen, klick mal hier.
