Beratung, Branding Leaders, Führung

Warum immer weniger Menschen führen wollen

von Jens Schlangenotto

In dieser Woche bin ich über eine Studie gestolpert, die mich nachdenklich gemacht hat. Es geht um das Thema Führung. Am Dienstag habe ich dazu bereits einen Linkedin-Post gemacht. Nur ein kleiner Teil der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung möchte überhaupt eine Führungsrolle übernehmen. Der Anteil liegt laut Studie bei etwa 14 Prozent.

Das ist ziemlich wenig, finde ich.

Und bevor wir jetzt schnell auf „die junge Generation“ zeigen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Gründe dahinter. Die meisten Menschen lehnen Führung nicht grundsätzlich ab. Sie lehnen das Bild ab, das sie täglich davon erleben. Und daran dürfen wir arbeiten.

Viele verbinden Führung heute mit hoher Arbeitsbelastung, permanenter Verantwortung und einem enormen Erwartungsdruck. Führungskräfte sitzen zwischen allen Stühlen, versuchen operative Probleme zu lösen, Erwartungen von oben zu erfüllen und gleichzeitig ihre Teams zu motivieren.

Gestaltungsspielraum? Strategische Arbeit? Eigener Führungsstil?

Das kommt im Alltag vieler Führungskräfte oft zu kurz.

Wenn eine Rolle vor allem Stress, Druck und endlose Abstimmungen verspricht, dann überrascht es nicht, dass sie an Attraktivität verliert. Schade.

Das Spannende ist jedoch: In derselben Studie geben viele Befragte an, dass sie sich Führung durchaus vorstellen können – allerdings unter anderen Bedingungen. Sie wünschen sich mehr Gestaltungsmöglichkeiten, mehr Freiheit im Denken und Handeln und die Chance, ihren eigenen Stil zu entwickeln.

Und genau hier wird es in meinen Augen höchstinteressant.

Vielleicht liegt die Herausforderung gar nicht darin, Menschen für Führung zu begeistern. Vielleicht liegt sie darin, Führung neu zu denken.

Führung ist heute weit mehr als das Steuern von Teams oder das Erreichen von Kennzahlen. Führung bedeutet Orientierung zu geben, Entscheidungen einzuordnen und Menschen durch komplexe Zeiten zu begleiten. So habe ich das immer erlebt. Insbesondere in Zeiten, wo es richtig rund geht. Wenn ich mich an die Zeit damals in der Christian Bischoff LIFE GmbH zurück erinnere, kommt mir all das sehr bekannt vor.

Das funktioniert jedoch nur, wenn Führungskräfte selbst Klarheit haben.

Klarheit darüber, wofür sie stehen, welche Werte sie vertreten und welche Wirkung sie entfalten möchten. Und genau an dieser Stelle kommt ein Gedanke ins Spiel, der mir persönlich sehr wichtig geworden ist.

Führung braucht Identität. Ja, es geht im Kern um Identität.

Viele Führungskräfte haben fachlich enormes Know-how, sie haben Karriere gemacht und Verantwortung übernommen. Was ihnen oft fehlt, ist ein klares Bild von sich selbst als Führungspersönlichkeit.

Wofür stehe ich eigentlich? Wie will ich führen? Welche Haltung prägt mein Handeln?

Wenn diese Fragen unbeantwortet bleiben, entsteht schnell ein Gefühl von Überforderung. Man versucht dann vor allem Erwartungen zu erfüllen, statt bewusst zu gestalten.

Genau aus diesem Gedanken heraus ist vor einiger Zeit bereits mein Ansatz „Branding Leaders“ entstanden.

Die Idee dahinter ist einfach: Gute Führung beginnt mit Klarheit über die eigene Identität. Wer weiß, wofür er steht, kann Orientierung geben. Wer seinen eigenen Stil kennt, kann authentisch führen. Und wer eine klare Haltung entwickelt hat, wird auch in unsicheren Zeiten als glaubwürdige Führungspersönlichkeit wahrgenommen.

Führung wird dadurch wieder zu dem, was sie eigentlich sein sollte: eine Rolle mit Wirkung, mit Sinn und mit Gestaltungskraft.

Vielleicht brauchen wir also weniger Diskussionen darüber, wie schwierig Führung geworden ist. Vielleicht brauchen wir mehr Führungskräfte, die sich bewusst mit ihrer eigenen Identität beschäftigen.

Denn genau dort beginnt echte Führung.

Zum Thema Personal Branding für Führungskräfte habe ich kürzlich eine neue Übersicht erstellt. Du kannst sie hier sehen.